INTERNATIONALE HERDER-GESELLSCHAFT


Die Herder-Medaille der Internationalen Herder-Gesellschaft

Seit 2004 verleiht die Internationale Herder-Gesellschaft für Verdienste in der Herder-Forschung die Herder-Medaille. Gerhard Sauder, dank dessen Bemühungen dieser Preis Gestalt annehmen konnte, beschreibt, gebeten vom Vorstand der Gesellschaft, seine Entstehung:

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Die Konferenz der IHS/IHG des Jahres 2000 fand in Weimar statt und wurde von Regine Otto (1936 – 2008) und John H. Zammito veranstaltet. Sie stand unter dem Leitthema „Vom Selbstdenken“. Zum erstenmal sollte ein Mitglied der Gesellschaft für Verdienste in der Herder-Forschung ausgezeichnet werden. Konsens herrschte darüber, dass Hans Dieter Irmscher (1929 – 2009) der erste Preisträger sein sollte. Wegen Krankheit konnte er nicht nach Weimar fahren. So wurde er in absentia geehrt. Die Form war allerdings asketisch: John H. Zammito verlas den kurzen Text der Ehrung, der auf eine Pergament-Imitation geschrieben war und dem Geehrten dann mit der Post zugestellt wurde.

In informellen Gesprächen waren sich die meisten Mitglieder darüber einig, dass eine 'würdigere' Form für diese Auszeichnung gefunden werden sollte. Aber bei der Konferenz von 2002 (Houston), die John H. Zammito ausrichtete, blieb es bei dem bisherigen Ritual – geehrt wurde Frederick Barnard (1921 – 2011), der – nach meiner Erinnerung – ebenfalls nicht anwesend sein konnte. Als damaliger Vizepräsident fand ich die Zustimmung Johns und anderer Mitglieder, dass ich mich für die nächste Tagung der Gesellschaft um eine Medaille bemühen sollte.

Ich bin kein Medaillen-Kenner und kein Numismatiker. Auf der Suche nach einer Möglichkeit der Realisierung des Vorhabens erinnerte ich mich an die freundliche Hilfe, die mir bei der Jahrestagung der „Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts“ (21. - 23. November 1984) über Herder in Saarbrücken vom damaligen Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Peter Robert Franke, zuteilwurde. Er ist Althistoriker und einer der renommiertesten Numismatiker der Gegenwart. Zur Eröffnung der Tagung hielt er einen kurzen Vortrag über Herder-Porträts und -Medaillen. Inzwischen lebt er als Emeritus in München – ihm habe ich die Bekanntschaft mit Prof. Hubertus von Pilgrim (Pullach), dem Bildhauer, Grafiker und Medailleur, zu danken.
Der Künstler, der unsere Herder-Medaille geschaffen hat, wurde 1931 in Berlin geboren. Er besuchte das humanistische Gymnasium in Karlsruhe und studierte – nach einer Böttcherlehre – zunächst in Heidelberg Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie. In Karlsruhe erhielt er künstlerischen Unterricht durch Erich Heckel. Es folgte das Studium der Bildhauerei in Berlin als Meisterschüler bei Bernhard Heiliger und Grafik bei Stanley W. Hayter in Paris. 1963 – 1977 war er Professor an der neugegründeten Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig; anschließend wurde er an die Münchner Akademie der Bildenden Künste berufen. Seit der Emeritierung (1995) ist er als freischaffender Künstler tätig. 1995 wurde er in den Orden „Pour le mérite“ für Wissenschaften und Künste aufgenommen. Der Öffentlichkeit bekannt ist er v.a. durch die große Kopf-Plastik Adenauers vor dem Bundeskanzleramt in Bonn (1982) und das Denkmal für den Todesmarsch der Dachauer KZ-Häftlinge im Frühjahr 1945 (1995), das in identischer Form in zwanzig Städten und Gemeinden aufgestellt wurde.

Seit dem 15. Januar 2004 wurden zwischen Pullach und Saarbrücken Briefe und E-Mails über die geplante Herder-Medaille gewechselt. Dabei musste auch ‚übers Geld‘ geredet werden – einige Mitglieder rieten vom Medaillen-Projekt ab, falls die Finanzierung über die Mitgliedsbeiträge erfolgen sollte, die ja nahezu völlig für das Jahrbuch und andere Veröffentlichungen benötigt wurden. Ich ging das Risiko ein, die Medaille (zehn Exemplare) nur mit einzuwerbenden Spenden zu finanzieren.

Hubertus von Pilgrim habe ich Kopien von Herder-Porträts geschickt. Er wollte sich angesichts der erstaunlichen Fülle der Herderschen Porträtüberlieferung nicht auf eine Porträtversion festlegen. Die ausgeprägte Physiognomie der reiferen Zeit, das „feste Fleisch“, reizte ihn besonders: „das Konterfei muß schon reif, füllig, sehr plastisch ausfallen.“ (v. Pilgrim, 23.1.2004) Über die Beschriftung entschieden Mitglieder der Gesellschaft – die noch lebenden ‚Gründungsmitglieder‘ und verdiente Herder-Forscher wurden um ihre Vorschläge gebeten. Für die Vorderseite mit dem Halbprofil Herders, der wie aus einem Fenster in die Gegenwart blickt, wobei die Bäffchen des Geistlichen ironisch über den Rahmen hängen, wurde die Umschrift „Humanität ist der Zweck der Menschennatur“ gewählt. Unter dem Rahmen befindet sich links Herders Namenszug und am unteren Rand die Jahreszahl „2004“. Die Rückseite der Medaille nennt ihren Anlass: „Für Verdienste in der Herder Forschung. IHG/IHS“. In der Umschrift werden der deutsche und der englische Name der Gesellschaft ausgeschrieben. Hubertus von Pilgrim hatte vorge-schlagen, auf der Rückseite den Namen des/der Geehrten einzugra-vieren. Die befragten Mitglieder rieten davon ab.

Während der Künstler nach einem Gießer suchte, der zunächst nur ein Exemplar herstellen sollte, ging die Einwerbung von Spenden weiter – sie war mit mancher Enttäuschung verbunden. Erst als die Finanzierung gesichert war, konnte ich „grünes Licht“ für den Guss geben: Mitte Juli wurde die Medaillen-Urform in Eile nach Verona in die Gießerei geschickt.

Ein Exemplar erhielt ich gerade noch rechtzeitig vor Beginn der Saarbrücker Tagung: Die erste Herder-Medaille wurde bei der abendlichen Mitglieder-Versammlung am 15. August 2004 Wulf Koepke (1928 – 2010) überreicht – er wurde als Gründungs-Mitglied und heraus- ragender Herder-Forscher geehrt.

Am 18. November 2004 wurden mir die noch fehlenden Exemplare zuge-stellt.

2006 wurde Ulrich Gaier bei der Tagung in Madison/Wisconsin, 2008 Günter Arnold bei der Konferenz in Jena, 2010 Ernest A. Menze in Notre Dame und 2012 Hans Adler (in absentia) in Rheinfelden/Basel mit der Medaille geehrt.

Gerhard Sauder, Saarbrücken

 

2014 wurde die Herder-Medaille anläßlich der Konferenz in Purdue/West Lafayette an Gerhard Sauder verliehen; 2016 erhielt sie zur Tagung in Kassel Wolfgang Proß.

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