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International Herder Society

Herder und die Künste

Konferenz der

Internationalen Herder-Gesellschaft 2016

in Zusammenarbeit mit der Georg-Forster-Gesellschaft

28.-30.10.2016

Universität Kassel

 

Programm

 

28. Oktober 2016
10.00 Begrüßung
10.15 - 11.00 Ulrich Gaier: Herder und die Musik
11.00 - 11.15 Kaffeepause
11.15 - 12.00 Clémence Couturier-Heinrich: Gehör und Musik in Herders Kalligone
12.00 - 12.45 Christian Hallstein: Beredsamkeit und Musik als Künste der Menschheit bei Herder
12.45 - 13.45 Mittagspause
13.35 - 14.30 Boris Previši?: Das Ende des Acoustic Turn in der Aufklärung? Herders »Ton«
14.30 - 15.15 Johannes Schmidt: Herder and Opera. Between plurality of the senses and poetry‘s paricularity
Nachwuchsworkshop
15.15 - 16.45 Kaspar Renner: Text ohne Noten. Zur ( gescheiterten) Vertonungsgeschichte der »Volkslieder«
  Yael Almog: Artistic Representation and the Literary Text
16.45 - 17.00 Kaffeepause
17:00 – 18:30

Tanvi Solanki: The Birth of Cultural Acoustics

  Catherine Girardin: Interweaving Theatre and History
Abendvortrag
18.45 Marion Heinz: Kunst und Kultur. Untersuchungen zu Herders Kalligone
   
29. Oktober 2016
Herder und Forster
09:15 – 10:00 Rotraud Fischer: »Die täuschende Wahrheit« – Herder und Forster im Kontext der Diskussion um das plastische Ideal
10:00 – 10:45 Karol Sauerland: Forsters Rezeption der Ideen
10.45 - 11.00
Kaffeepause
11.00 - 11.45 Rolf Selbmann: Annäherungen: Gotik als deutsche Baukunst bei Herder, Goethe und Forster
11.45 - 12.30 Heinrich Clairmont: Habitus und scientia. Herders Überlegungen zur Theorie der Künste
12.30 - 13.30
Mittagspause
13.30 - 14.15 Wolfgang Düsing: Herders Kalligone und Schillers Briefe Über die ästhetische Erziehung
14.15 - 15.00 Gideon Stiening: Herder und Meier
15.00 - 15.45 Gerhard Sauder: Herders Paragone in Gedichten, Briefen und Tagebucheinträgen aus Italien
15.45 - 16.30 Mario Marino: Kunst, Gesellschaft und Natur bei Herder und Hemsterhuis
16.30 - 16.45 Kaffeepause
16.45 - 17.30 Liisa Steinby: Bilder des inneren Sinns, bildende Kunst, poetische Bilder
17.30 - 18.15 Ulrike Wagner: Baukunst und Satzbaukunst. Ein interdisziplinärer Dialog
18.15 - 19.00 Margrit Vogt: Farben sehen
  Abendvortrag
19.00 Wolfgang Proß: Naturrecht, Politik und Geschichte bei Herder
   
30. Oktober 2016
9.15 - 10.00 Rainer Wisbert: Herders Theorie ästhetischer Bildung
10.00 - 10.45 Hans Graubner: Herders und Hamanns kunsttheoretische Ansätze
10.45 - 11.00 Kaffeepause
11.00 - 11.45 Nigel DeSouza: Herder and Baumgarten on aesthetics
11.45 - 12.30 Stefan Greif: Herders Beschäftigung mit Tanz und Pantomime
12.30 Mitglieder- und Jahreshauptversammlung der Internationalen Herder-Gesellschaft
   

Einige exemplarische Fragestellungen und mögliche Vortragsthemen sollen das – nur interdisziplinär umzusetzende – Tagungskonzept begründen:
– So lernt Herder in seiner Zeit als Bückeburger Hofprediger mit Johann Christoph Friedrich Bach nicht nur einen Kenner der italienischen Oper und Kantate kennen. Aus der Freundschaft und Zusammenarbeit gehen verschiedene Oratorien und Musikdramen hervor, die idealiter Herders musikpädagogische Hoffnung auf die Unterweisung des Volkes mit Hilfe des Gesangs umsetzen sollen. Mit ihnen hat sich die Musikwissenschaft erst ansatzweise, die Literaturwissenschaft allenfalls verhalten auseinandergesetzt.
– Wenn Herder in der Kalligone die These aufstellt, „Zweck und Absicht“ seien „die Seele jedes Gebäudes“, so positioniert er sich eindeutiger, als auf den ersten Blick zu erkennen sein mag, im zeitgenössischen Architekturdiskurs. Zum einen nähert er sich jener frühindustriellen Debatte (Georg Forster) über die Funktion von Gebäuden, in deren Verlauf die Frage nach baulicher Schönheit in den Hintergrund zu treten beginnt. Auch für Herder nämlich ist das jeweilige „Gewerbe“, für das Architekten planen und entwerfen, so wichtig wie die Frage nach dem „Klima“ und der „Lage des Ortes“ einer „Baueinrichtung“, die der Seele der Hausbewohner korrespondieren muss. Mit dieser Annahme, erst das Zusammenspiel von Architektur und Wohnen verleihe einem Bauwerk Schönheit, grenzt sich Herder zum anderen von einem Funktionsbegriff ab, der Architektur als Kunst – ein Aufgabenfeld, das sie sich im späten 18. Jahrhundert gerade zu erschließen beginnt – wieder auf Zwecke und logische Begriffe engführt. Wohl aus diesem Grund verzichtet Herder in den architekturtheoretischen Passagen der Kalligone darauf, eine ‚Sammlung‘ historischer Baulichkeiten anzulegen, mit deren Hilfe sich die kulturgeschichtliche und nationale Entwicklung der Baukunst nachgestalten ließe.
– Der Begriff ‚Sammlung‘, vermehrt um den der ‚Ausstellung‘, leitet zu Herders Interesse an der möglichst ‚belebenden‘, mithin gemeinschaftsbildenden Präsentation von Literatur, Musik (Oper) oder Bildern über und könnte neue Einsichten in seine Wirkungs- und Rezeptionsästhetik erschließen. Darüber hinaus wäre zu fragen, welche Bedeutung Herder dem Singen, dem Spielen von Instrumenten oder dem Tanzen für die ästhetische Selbstsorge des einzelnen Menschen einräumt. Immerhin war sich Herder im Kontext seiner Volksliededition bewusst, wieder die sinnlichen Bedürfnisse eines rational regulierten Publikums zu wecken und mit dem Liederabend an eigentlich uralte, aber eben gruppendynamische Formen geselligen Beisammenseins anzuschließen. Von solchen Beobachtungen ausgehend, könnte in einer eigenen Sektion auch das politische Potential reflektiert werden, das Herder beispielsweise der Lektüre britischer, skandinavischer oder osteuropäischer Literatur bemisst.
– Überhaupt: die Lektüre! Gemeinsam mit Goethe steht Herder dem Übergang von der oralen zur literalen Kultur eher verhalten gegenüber und äußert sich etwa in den Studien zum Volkslied skeptisch über die singuläre, gleichsam vereinsamende Kunstrezeption. Opponiert Herder mit seinem Plädoyer für jene Künste, die (wie Theater oder Oper) traditionell im größeren Publikum erlebt werden, möglicherweise gegen einen vorzugsweise vom ‚Schriftsinn’ getragenen Bildungsbegriff? Und sollte diese These tragen, lässt sich dann noch die Einschätzung halten, Herders Kunst- und Ästhetiktheorie sei vorzugsweise geschichtsphilosophisch zu diskutieren?
Herder, dies sollen diese ersten fragmentarischen Sondierungen des in Rede stehenden Tagungsthemas nahelegen, gilt es also wiederzuentdecken als künstlerisch interessierten und kunstpraktisch engagierten ‚Anreger‘, der einen sinnesästhetisch, aber eben auch performativ und pädagogisch reflektierten Kunsthorizont entwirft, der den Einsatz von Kirchenmusik im Gottesdienst ebenso berücksichtigt wie die ‚Unpolizierung‘ des gebildeten Publikums mit Hilfe von Volksliedern. Neben Vorträgen zu Herders Kunst- und Literaturtheorie wären daher für die Kasseler Herder-Tagung besonders solche Beiträge wünschenswert, die sich auch unter Berücksichtigung der Kalligone mit der ‚Präsenz‘ des Schönen in den unterschiedlichsten Künsten auseinandersetzen.
Auf eine Besonderheit der für 2016 zu planenden Herder-Konferenz sei abschließend noch hingewiesen: Um die Zusammenarbeit mit anderen literarischen Gesellschaften zu intensivieren, wird die in Kassel ansässige Georg-Forster-Gesellschaft eine Sektion der kommenden Herder-Konferenz mit 4-5 Vorträgen bestreiten, die Georg Forsters Rezeption von Herders Kunsttheorie und Ästhetik zum Inhalt haben.

 

 

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